Berufsunfähigkeitsversicherung über die Direktversicherung steuern – eine clevere Lösung?

7. Juli 2014 | Von | Kategorie: Allgemein, Banking, Binäre Optionen, Finanztexte auf den Punkt, Gastbeiträge, Geldanlage, Kredite, Leitartikel, Öffentliche Gelder, öffentliche Gelder, Sonstige Themen, Versicherungen

Beim Thema Direktversicherung oder betriebliche Altersversorgung (bAV) denken die meisten an eine zusätzliche Altersversorgung. Der Gedanke liegt natürlich aus der Begrifflichkeit nahe, die bAV bietet aber noch mehr. Im Rahmen der bAV gelten Direktversicherung und Pensionskasse, beide im § 3.63 EStG geregelt, als die unkompliziertesten und auf die Anzahl der Unternehmen gesehen, am weitesten verbreiteten Varianten, weshalb sich dieser Beitrag auch ausschließlich darauf bezieht. Die bAV ermöglicht es aber auch, eine Berufsunfähigkeitsversicherung steuer- und sozialversicherungsbegünstigt in die persönlichen Versorgungsstrategien mit einzubeziehen. 

Berufsunfähigkeitsversicherung Baustein zur privaten Vorsorge

by Petra Bork / pixelio.de

Der klassische Sachverhalt bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung werden aus dem Bruttoeinkommen gezahlt. Die Konsequenz ist, dass damit Steuern und Sozialabgaben auf diese Beiträge entfallen, der tatsächliche Nettoaufwand nicht mehr der Bruttoprämie entspricht. Bei einem maximal geförderten Beitrag von vier Prozent auf die Beitragsbemessungsgrenze lässt sich auf diese Art ein erklecklicher Beitrag zur persönlichen Altersversorgung auf die Seite legen. Auf der anderen Seite bezahlen die meisten Arbeitnehmer den wesentlich höheren Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) aus dem Netto. Nur die wenigsten bAV-Verträge enthalten eine ausreichende Berufsunfähigkeitszusatzversicherung als Bestandteil. Die Praxis hat gezeigt, weshalb. Die Annahmerichtlinien für eine Berufsunfähigkeitsversicherung wurden im Laufe der Jahre immer enger. Ein Vermittler, der eine bAV bei einem Arbeitnehmer platzieren kann, möchte nicht das Risiko eingehen, aufgrund einer möglichen Vorerkrankung der versicherten Person den gesamten Vertrag zu verlieren. Ergo, die BU bleibt außen vor, der Versicherungsnehmer kann die relativ hohe Prämie nicht durch die Vorteile der bAV kompensieren. Es ist kein böser Wille der Versicherungswirtschaft, dass diese Prämien vergleichsweise hoch sind. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt für die Assekuranzen zu den teuersten Personenversicherungen. Immerhin scheiden rund 25 Prozent der Erwerbstätigen aus Gesundheitsgründen vor dem Erreichen der Altersrente aus dem Erwerbsleben aus. Ein 30jähriger, der eine mögliche Berufsunfähigkeit mit 2.000 Euro im Monat statisch  bis zum 65. Lebensjahr abgesichert hat, hat immerhin einen Anspruch von 840.000 Euro gegen den Versicherer.

Die Besteuerung bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung unterliegen der Steuerpflicht. Dabei muss zwischen den beiden Varianten „private Lösung “ und „bAV“ unterschieden werden. Wurde die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung aus dem Netto finanziert, greift die Ertragsanteilsbesteuerung. Wurden die Beiträge jedoch über eine bAV abgeführt, muss die Rente analog zur Altersrenten in voller Höhe mit dem gültigen Prozentsatz versteuert werden. Dieser richtet sich gemäß Alterseinkünftegesetz nach dem Jahr des Rentenbeginns.

Wo liegt jetzt der Vorteil bei der Berufsunfähigkeitsversicherung im Rahmen der bAV?

Wie eingangs erwähnt, sind die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung relativ hoch. Über die bAV können sie als Nettobeitrag signifikant gesenkt werden. Eine private Rentenversicherung, aus dem Nettoeinkommen bezahlt, fällt auf den ersten Blick eventuell in der Rentenleistung niedriger aus als eine Rente, die mit vollem Beitragsvolumen über die bAV finanziert wird. Aber: die Rente aus der betrieblichen Altersversorgung muss in voller Höhe versteuert werden und sie wird bei gesetzlich Versicherten zur Berechnung der Krankenkassenbeiträge hinzugezogen. Eine private Rente unterliegt nur der Besteuerung im Rahmen des Ertragsanteils und sie hat keine Auswirkung auf den Krankenkassenbeitrag. Unter Berücksichtigung der Abzüge bei Rentenbezug kann also eine nicht subventionierte private Altersversorgung ertragreicher sein als die bAV. In Kombination mit den subventionierten Beiträgen zur Berufsunfähigkeitsversicherung kann dies die günstigere Lösung darstellen.

Es empfiehlt sich also, auf jeden Fall die Besteuerung der Altersrente über die bAV und die der privaten Altersrente dem Beitragsaufwand von Betriebsrente und privater Berufsunfähigkeit gegenüber zustellen. Eine pauschale Aussage, welcher Weg in der Summe der Preiswertere sein wird, lässt sich nicht treffen, ein Berechnungsbeispiel ist er aber alle mal wert.

Was gilt es zu beachten?

Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, das Risiko der Berufsunfähigkeit über eine betriebliche Altersversorgung abzudecken, müsst ihr darauf achten, dass der ausgewählt Tarif dafür zugelassen ist. Nicht jede selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung erfüllt die Vorgaben für eine Förderung. Ein weiterer möglicher Vorteil hängt von der Größe des Unternehmens ab. Im Rahmen eines Kollektivrahmenvertrages kann es sein, dass die Fragen zum Gesundheitszustand verkürzt wurden. Damit erhöht sich die Chance auf ein Vertragsabschluss ohne Risikozuschlag. Auf der anderen Seite wechseln deutsche Arbeitnehmer im Schnitt alle fünf Jahre das Unternehmen. In den meisten Fällen gibt der Arbeitgeber vor, über welche Versicherungsgesllschaft eine bAV abgeschlossen werden muss. Die Portierung von einem Unternehmen zum anderen ist zwar grundsätzlich möglich. Die selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung ist jedoch eine Police, deren Beitrag sich nur nach dem Alter richtet. Mit einem Anbieterwechsel geht auch eine Neukalkulation des Eintrittsalters einher, ein möglicher Anstieg der Prämie ist nicht auszuschließen.

Es gibt zahlreiche Für und Wider im Zusammenhang mit der Finanzierung einer Berufsunfähigkeitsversicherung über die betriebliche Altersversorgung. Um die individuell richtige Antwort zu finden, solltet ihr euch entweder an einen vereidigten Versicherungsberater wenden oder an einen Versicherungsmakler, der vielleicht sogar inzwischen schon auf Honorarbasis arbeitet. Diese wissen auch, welcher Tarif im Falle eines Arbeitgeberwechsels als private Berufsunfähigkeitsversicherung weitergeführt und die günstige Einstiegsprämie damit gehalten werden kann. Die damit möglicherweise einhergehenden Kosten werden auf jeden Fall durch die optimierte Lösung überkompensiert.

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