Betriebshaftpflichtversicherung – der Rettungsanker, wenn es eng wird

10. März 2014 | Von | Kategorie: Allgemein, Banking, Binäre Optionen, Finanztexte auf den Punkt, Gastbeiträge, Geldanlage, Kredite, Leitartikel, Öffentliche Gelder, öffentliche Gelder, Sonstige Themen, Versicherungen

Niemand gründet ein Unternehmen, um Dritte zu schädigen. Dennoch lässt sich nicht ausschließen, dass es zu einer Situation kommen kann, in der eine Betriebshaftpflichtversicherung benötigt wird. Die Ursachen, dass der Inhaber der Firma eine Betriebshaftpflicht in Anspruch nehmen muss, können unterschiedlichster Art sein. Der Abschluss der Betriebshaftpflichtversicherung entspricht nicht nur dem gesunden Menschenverstand. Der Abschluss der Betriebshaftpflicht ist für einige Berufe seitens des Gesetzgebers sogar zwingend vorgeschrieben. Das heißt nicht nur, Unternehmen aufgrund einer Regressforderung vor dem finanziellen Ruin zu schützen, sondern auch sicherzustellen, dass der Geschädigte durch die Versicherung den berechtigten finanziellen Ausgleich erhält. Einige Berufe benötigen zusätzlich zur Betriebshaftpflichtversicherung allerdings auch noch eine gesonderte Berufshaftpflicht, beispielsweise Ärzte oder beratende Berufe. Die Annahme, dass die Betriebshaftpflicht und die Berufshaftpflicht identisch sind, ist falsch. 

Was bedeutet eigentlich Haftung?

Das Gesetz regelt, dass eine Person, die eine andere Person in Bezug auf körperliche Unversehrtheit, deren Besitztümer oder Vermögen schädigt, Schadensersatz leisten muss. Grundlage für die Betriebshaftpflicht ist, dass ein Betrieb dafür haften muss, wenn ein Angestellter oder Inhaber schuldhaft einen Dritten schädigt. Anders als bei einer Privatperson gibt es bei Freiberuflern und Gewerbe hinsichtlich der Vielzahl der Schäden Unterschiede, abhängig von der Tätigkeit. Die Betriebshaftpflicht prüft zunächst, ob durch ihren Versicherungsnehmer, also das Unternehmen einschließlich aller Mitarbeiter, tatsächlich ein Verschulden vorliegt. In diesem ersten Schritt der Regulierung für den Schaden übernimmt die Betriebshaftpflicht die Funktion einer passiven Rechtschutzversicherung. Kommt die Betriebshaftpflichtversicherung zu dem Schluss, dass dem nicht so ist, ist es die Aufgabe, unberechtigte Forderungen gegen ihren Kunden, im Zweifelsfall auch vor Gericht, abzuwehren.

Natürlich ist die betriebliche Haftpflicht nicht die einzige der betrieblichen Versicherungen, aber auf jeden Fall die wichtigste.

Personen-, Sach- und Vermögensschäden

Diese drei Kategorien unterscheiden nicht nur die Haftungsrisiken, sondern geben eine erste Übersicht, wann die Betriebshaftpflichtversicherung greift. Die Risikoeinstufung für eine Firma in der Betriebshaftpflicht hängt vom Geschäftsgegenstand ab. Ein selbstständiger Buchhalter wird in Bezug auf das Risiko eines Personenschadens anders eingestuft als eine Spedition. Gerade der erste Punkt, Personenschaden, birgt das Risiko des finanziellen Desasters für die Firma. Die Ursache für diese Schäden kann vielfältig sein, die finanziellen Folgen für den Verursacher katastrophal. Der Umfang soll an einem Beispiel für ein Unternehmen mit geringem Risiko dargestellt werden. Ein selbstständiger Buchhalter kommt der Schneeräumpflicht vor seinem Büro nicht nach. Ein Passant rutscht aus und bricht sich den Lendenwirbel. Bei der Haftung für Personenschäden decken die Leistungen der Haftpflichtversicherung zum einen die Schmerzensgeldforderung. Den Aufwand für die medizinische Heilbehandlung wird der Krankenversicherer einklagen, ebenso werden die Rententräger die Aufwendungen für die notwendige Rehamaßnahme von dem Buchhaltungsbüro einfordern. Bleibt der verletzte Passant erwerbs- oder berufsunfähig, entfällt sein künftiges Einkommen. Es entsteht ihm ein Vermögensschaden, der ebenfalls vom Verursacher übernommen werden muss. Ohne eine ausreichende Betriebshaftpflichtversicherung wäre das Buchhaltungsbüro ruiniert. Vermögensschäden resultieren selten aus einem Sachschaden. Vermögensschäden definieren einen Vermögensverlust, beispielsweise Einkommen, beim Geschädigten.

Ein anderes Beispiel für einen Personenschaden, welches weniger gravierend, aber auch extrem teuer sein kann, liefert ein Partyservice. Verarbeitete Lebensmittel führten bei den Gästen einer Veranstaltung zu Übelkeit. Für 15 Personen wurde eine medizinische Heilbehandlung notwendig, begleitet von Schmerzensgeldforderungen. In allen Fällen forderten die Krankenversicherer die Aufwendungen für die Heilbehandlung zurück, keine großen Beträge, in der Summe jedoch wirtschaftlich verheerend für den Firmenbesitzer.

Sachschäden mit vielfältigen Ursachen

Sachschäden werden nach den unterschiedlichsten Ursachen beurteilt. Gerade in diesem Segment kann es im Rahmen der Betriebshaftpflichtversicherung auch zu Risikoausschlüssen kommen.

Diese Art der Schädigung kann aus der Herstellung eines Produktes rühren, aus der Verarbeitung oder der Montage. Im Baugewerbe beispielsweise finden sich zahlreiche Risiken, die von der Betriebshaftpflicht abgesichert sind. Muss ein Mangel nachträglich beseitigt werden und müssen dafür andere Dinge beschädigt werden, beispielsweise eine Wand aufgebrochen um ein Rohr auszutauschen, werden diese Begleitschäden von der Betriebshaftpflichtversicherung übernommen. Ebenfalls als Versicherungsfall werden Schäden eingestuft, die erst nach einiger Zeit sichtbar werden. Nicht immer ist ein Sachschaden sofort beim Eintritt ersichtlich. Vor diesem Hintergrund kommt der Nachhaftung innerhalb der Betriebshaftpflicht eine besondere Bedeutung zu. Ein Statiker, der vor einigen Jahren die Statik für einen Balkon errechnet hat, setzt sich zur Ruhe. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass der Balkon sich aufgrund eines Berechnungsfehlers absenkt, die Konstruktion muss erneuert werden. Die Betriebshaftpflicht übernimmt bei der Nachhaftung die Kosten für diese Arbeiten.

Arbeiten auf fremden Grundstücken – eine Klausel für viele Berufe

Einer der wichtigsten Einschlüsse in der Betriebshaftpflichtversicherung sind die Arbeiten auf fremden Grundstücken. Diese betreffen nicht nur Handwerker, sondern beispielsweise auch den Lieferservice einer Pizzeria oder einen Coach, der in Unternehmen Vorträge hält. Abgesichert sind in der Betriebshaftpflichtversicherung alle Schäden, die Mitarbeiter eines Betriebes auf Grundstücken, in Wohnungen oder fremden Büros verursachen. Die Pizzeria ist ebenso im Regress, wenn der Pizzabote beim Kunden in der Wohnung eine Lampe herunterwirft, wie der Coach, der in einem Unternehmen den Beamer der Gastgeber fallen lässt. Im Antrag für die Betriebshaftpflicht müssen die Fragen in Bezug auf die Tätigkeit auf Grundstücken Dritter explizit beantwortet werden. Andernfalls bestehen keine Ansprüche auf Leistungen.

Umwelthaftpflicht – ein Thema für viele Firmen

Eine weitere Form des Sachschadens sind Umweltschäden. Das Umwelthaftungsgesetz besagt, dass der Verursacher einer Umweltverschmutzung für die Beseitigung aufkommen muss. Für einige Firmen ist der Einschluss der Umwelthaftung in die Betriebshaftpflicht in der höchstmöglichen Summe zwingend notwendig. Dazu zählen beispielsweise alle Betriebe, die mit Säuren oder Laugen arbeiten. Einer Kfz-Werkstatt kann es ebenfalls passieren, dass Öl in das Grundwasser gelangt. Die Aufwendungen für den Abtransport des verunreinigten Erdreichs sollten nicht unterschätzt werden und können zu einer finanziellen Schieflage der Firma führen. Wer denkt, dass dieses Thema nur wenige Betriebe betrifft, irrt. Gelangt durch eine Metzgerei Fett oder Blut in einem Maß in das Wasser, dass es zu einer Verunreinigung führt, ist der Betrieb aufgrund der Umwelthaftung ebenfalls im Regress. Die Betriebshaftpflichtversicherung bietet auch diesen Unternehmen ebenfalls den notwendigen Schutz.

Produkthaftungsgesetz – die Falle im Verkauf

Der Produkthaftung kann bei der Betriebshaftpflichtversicherung nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet werden. Das Produkthaftungsgesetz sieht vor, dass Verbraucher in Bezug auf Leben, Körper und Gesundheit einen Schutz vor Schädigung durch erworbene Produkte genießen. Dabei gilt als Produkt jede bewegliche Sache, auch wenn sie mit einer unbeweglichen Sache verbunden ist und Elektrizität. Natürlich ist erste Haftungsadresse der Hersteller. Die Haftung kann aber auch auf den Lieferanten übergehen, wenn dieser den Hersteller nicht namentlich benennen kann. Dies gilt auch für den Importeur einer Ware, die nicht aus dem Geltungsbereich der Europäischen Wirtschaftsunion stammt. Als vierter Ansprechpartner, welcher innerhalb der Produkthaftung in den Regress genommen werden kann, zählt der Quasihersteller. Als Quasihersteller zählt, wer auf das Produkt eines Dritten seinen Namenszug anbringt. Ein Fahrradhändler, der Bikes selbst zusammenbaut, ist ein klassischer Unternehmer, der in der Betriebshaftpflichtversicherung einen möglichst hohen Wert auf ausreichenden Versicherungsschutz bei Personenschäden legen sollte. Unterläuft ihm bei der Montage ein Fehler und der Kunde verletzt sich bei einem Sturz, ist er aufgrund der Produkthaftung regresspflichtig. Liefert ein Bauträger ein Haus inklusive Küche und der Herd fängt aufgrund eines Produktionsfehlers Feuer, der Käufer wird schwer verletzt, so ist der Bauträger im Rahmen der Produkthaftung der erste Ansprechpartner. Die Betriebshaftpflichtversicherung bietet für Fälle der Produkthaftung die notwendige Absicherung.

Risikoeinstufung und Prämien bei der Betriebshaftpflichtversicherung

Bei der Betriebshaftpflicht werden unterschiedliche Gefahrenquellen angesetzt. Klassische Handwerksbetriebe wie im Baugewerbe oder Sanitärbereich bedingen für die Betriebshaftpflichtversicherung eine größere Gefährdung der Umwelt als ein Blumenladen. Die Risikoeinstufung richtet sich auch nach zusätzlich in der Betriebshaftpflichtversicherung abzudeckenden Sonderrisiken wie die oben beschriebene Nachhaftung, erhöhte Deckungssummen in der Umwelthaftung oder Subunternehmerklauseln, nicht nur nach der Branche. Diese Informationen sind für die Risikoeinstufung zwingend notwendig. Beim Vergleich der Betriebshaftpflicht kommt es für den Versicherungsnehmer aber nicht nur auf die Prämie der Betriebshaftpflicht an, sondern auch darauf, welche Versicherungsfälle im Versicherungsschutz kostenfrei mit eingeschlossen sind und welche Gesellschaften für diese Leistungen Prämienzuschläge verlangen. Ein bewährtes Mittel, in der Betriebshaftpflicht günstig versichert zu sein, ist die Selbstbeteiligung. Bei dieser Vereinbarung übernimmt der Versicherungsnehmer die Kosten für Bagatellschäden selbst. Die Selbstbeteiligung in der Betriebshaftpflicht wird pro Fall, nicht pro Jahr in Ansatz gebracht.

Bei der Auswahl der Betriebshaftpflicht ist ein Vergleich das A und O, um aus der Vielzahl der Angebote den Versicherer zu finden, der die individuellen Anforderungen am besten erfüllt. Die private Haftpflichtversicherung ist häufig für den Inhaber ebenfalls mitversichert.

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