Die betriebliche Altersversorgung – Vorsicht, Falle!

3. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Allgemein, Versicherungen

Die Frage, was ist die betriebliche Altersversorgung und wie optimiert man sie, haben wir in dem Beitrag „Mit Betrieblicher Altersversorgung statt Vermögenswirksamen Leistungen das Netto erhöhen“ erläutert. In diesem Beitrag wollen wir uns einmal damit beschäftigen, dass die betriebliche Altersversorgung aber auch Fallstricke bietet.

Die betriebliche Altersversorgung – Vorsicht, Falle!

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) gilt, durchaus zu Recht, als eine der attraktivsten Formen der Altersversorgung für Arbeitnehmer. Im Rahmen der Entgeltumwandlung, der Arbeitnehmer entrichtet die Beiträge aus seinem Bruttoeinkommen, greifen massive Steuer- und Sozialversicherungsvorteile. Sozialabgaben und Lohnsteuer werden nur noch aus dem Einkommen ermittelt, welches um den Beitrag zur bAV gemindert wurde. Die Betriebsrente kann aber auch zum Rentenbumerang werden und Einbußen im Alter mit sich bringen. Warum?

Beispiel für den Netto-Beitrag in der betrieblichen Altersversorgung

Zunächst einmal soll die folgende Berechnung den augenscheinlichen Vorteil einer betrieblichen Altersversorgung verdeutlichen:

Grundlage ist die Steuerklasse I, Bundesland Nordrhein-Westfalen, kein Kinderfreibetrag

Vor Umwandlung Nach Umwandlung
Brutto-EK 2.500,00  2.500,00
Entgeltumwandlung bAV     100,00
Lohnsteuer     315,00     290,75
Solidaritätszuschlag       17,32       15,99
Kirchensteuer       28,35       26,16
Renten-/Arbeitslosenversicherung     271,25     260,40
Gesetzliche Kranken-/ Pflegeversicherung     239,37     229,80
Nettoeinkommen 1.628,71 1.576,90
Differenz       51,81

Es lässt sich nicht leugnen, dass ein effektiver Aufwand von 51,81 Euro für eine tatsächliche Sparleistung von 100 Euro durchaus attraktiv erscheint.

Betriebliche Altersversorgung vs gesetzliche Rente

Der Steuereffekt ist für alle Arbeitnehmer interessant, wird mit steigendem Steuersatz noch spannender. Die Krankenkassenbeiträge gesetzlich Krankenversicherter sinken ebenfalls, ohne dass es zu Einbußen bei den Leistungen kommt.

Anders verhält es sich jedoch mit den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung. Diese sinken zwar auch, aber anders als bei den Krankenkassenbeiträgen führt dies auch zu Leistungseinbußen. Die Höhe der unterschiedlichen Renten berechnet sich bekanntermaßen aus der Dauer der Einzahlung und der Höhe der gezahlten Beiträge.

Gerade bei Geringverdienern kann sich der positive Effekt der Entgeltumwandlung ganz schnell in das Gegenteil verkehren. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Restlaufzeit der bAV relativ kurz ausfällt. In diesem Fall würde eine Zusatzrente auf der anderen Seite eine Rentenkürzung bei der gesetzlichen Rentenversicherung bedeuten.

Vor diesem Hintergrund sollten Arbeitnehmer genau prüfen, wie viel die Rente aus der betrieblichen Altersvorsorge im ungünstigsten Fall beträgt und ob sie dennoch das Minus bei der gesetzlichen Rentenversicherung kompensieren kann. „Die böse Überraschung bei der betrieblichen Altersversorgung“ titelte die Zeitung „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 27.3.2016. Dabei müssen aber noch zwei andere Größen berücksichtigt werden.

Die Brutto-Netto Rente

Lautet die Aussage in der Beispielrechnung des Versicherers, dass bei Endalter 67 beispielsweise eine monatliche Rente aus der betrieblichen Altersvorsorge von 200 Euro zur Verfügung steht, heißt es Achtung!

Die betriebliche Altersvorsorge wird nachgelagert besteuert. Das bedeutet, während der Ansparphase werden die Beiträge, wie eingangs erwähnt, aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen bezahlt. Dafür muss der Begünstigte die spätere Rente jedoch mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.

Im Gegensatz zu einer privaten Rentenlösung oder einer Riester-Rente unterliegen die Bezüge aus einer betrieblichen Altersvorsorge auch der Beitragspflicht zur gesetzlichen Krankenkasse. Privat Versicherte sind davon ausgenommen. Der Beitragssatz auf Betriebsrenten beträgt im Jahr 2016 14,6 Prozent. Angenommen, der persönliche Steuersatz des Rentenbeziehers beläuft sich auf 25 Prozent, ergibt sich folgende Berechnung:

Ermittlung der Nettorente für die betriebliche Altersversorgung

Monatliche Rente aus bAV  200 Euro
./. 25 Prozent persönlicher Steuersatz  50,00 Euro
./. 14,6% Krankenversicherungsbeitrag  29,20 Euro
./. 2,35% Pflegepflichtversicherungsbeitrag    4,70 Euro
Nettorente bAV 116,10 Euro

 

Diese Zahl wirkt schon deutlich ernüchternder als die 200 Euro aus der Beispielrechnung des Versicherers. Optiert der Bezugsberechtigte nicht auf eine Rentenzahlung, sondern auf eine einmalige Auszahlung der für die betriebliche Altersversorgung, greift die 120er-Regelung. Dies bedeutet, dass die Einmalzahlung rechnerisch über zehn Jahre verteilt wird und der Rentenbezieher über diesen Zeitraum jeweils monatlich den Krankenversicherungsbeitrag auf die hypothetische Zahlung der Betriebsrente abführen muss.

Der Rentenverlust in der Gesetzlichen Rentenversicherung

Bei dieser Zahl muss auch noch der Rentenverlust aus der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) berücksichtigt werden. Für diesen kann jedoch nur ein hypothetisches Beispiel gewählt werden:

  • Beitragshöhe bAV: 100 Euro monatlich
  • Beitragszahlungsdauer bAV: 20 Jahre
  • Rentenanpassungsfaktor GRV: 1 Prozent p. a.

Die Einbußen bei diesen hypothetischen Annahmen betragen bei Erreichen des Rentenalters 24,59 Euro. Bei einem monatlichen bAV-Beitrag von 200 Euro steigen sie auf 49,18 Euro.

Fazit

Bevor sich ein Arbeitnehmer für eine betriebliche Altersversorgung entscheidet, sollte er auf jeden Fall überprüfen, wie hoch die Kürzungen der gesetzlichen Altersrente und wie hoch die Nettozahlung aus der Betriebsrente ausfallen.  Auch wenn er nur mit theoretischen Annahmen arbeiten kann, erhält er zumindest Näherungswerte, welche die Rentabilität der bAV bestätigen oder anzweifeln lassen.

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