Die Privatinsolvenz – Bedeutung und Ablauf

24. April 2018 | Von | Kategorie: Gastbeiträge

Laut dem Schuldneratlas 2017, welcher von Creditreform herausgegeben wurde, nimmt die Überschuldung in Deutschland seit 2014 stetig zu. Demnach geben rund 6,9 Millionen Menschen über 18 Jahren mehr Geld aus, als ihnen zur Verfügung steht. Haben Personen erst einmal so viele Schulden angehäuft, ist die Privatinsolvenz häufig die einzige Möglichkeit, um einen Weg aus der Schuldenspirale zu finden. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch das kostenlose eBook der Interessensgemeinschaft Sozialrecht e.V. – Isabel Frankenberg

 

Können Schuldner ihre laufenden Kosten nicht mehr begleichen, sind sie zahlungsunfähig. In einem solchen Fall haben die Betroffenen die Möglichkeit, ein Insolvenzverfahren anzustreben. Dies soll dem Schuldner nach maximal sechs Jahren ein schuldenfreies Leben ermöglichen.

 

Bevor das Insolvenzverfahren jedoch überhaupt bei einem zuständigen Amtsgericht angemeldet werden kann, muss der Schuldner eine außergerichtliche Einigung mit seinen Gläubigern anstreben. Hierzu wird ein Schuldenbereinigungsplan aufgestellt, welchem

zu entnehmen sein muss, wie der Schuldner gedenkt, seine Schulden abzutragen. Um diesen zu erstellen, sollte sich der Schuldner dringend professionelle Hilfe, z.B. durch einen Rechtsanwalt oder einer Schuldnerberatung, suchen. Scheitert der Versuch der Einigung, muss die Beratungsperson darüber eine Bescheinigung ausstellen.

 

Nachdem die außergerichtliche Einigung gescheitert ist, kann das Verfahren beim Gericht angemeldet werden. Im gleichen Zuge ist auch die Restschuldbefreiung gesondert zu beantragen. Ab diesem Zeitpunkt geht das Insolvenzverfahren in die nächste Phase, denn von dem zuständigen Gericht wird ein weiteres Schuldenbereinigungsverfahren eingeleitet. Scheitert auch dieses, kann die eigentliche Insolvenz eingeleitet werden.

 

Die Kosten für das Verfahren müssen in der Regel vom Schuldner selbst gezahlt werden. Hierzu zählen die Gerichtskosten, die Auslagen und die Kosten des Treuhänders. Können diese jedoch nicht vom Betroffenen selbst getragen werden, muss das Gericht klären, ob eine Stundung nötig ist. Danach kann das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet werden, wodurch das Gericht einen Treuhänder festlegen kann, welcher über die vollständige Insolvenzmasse verfügt. Er sorgt dafür, dass die Gläubiger einen Teil des ihnen zustehenden Geldes erhalten.

 

Am Ende des Insolvenzverfahrens schließt sich ein Schlusstermin an, bei dem sowohl der Schuldner als auch alle Gläubiger angehört werden. Nachdem die Anhörung erfolgt ist, beschließt das Gericht, ob eine Restschuldbefreiung möglich ist. Dazu muss der Schuldner jedoch während der sogenannten „Wohlverhaltensperiode“ seinen Pflichten nachkommen. Hierzu gehört es beispielsweise, eine Arbeit auszuführen bzw. sich um eine Stelle zu bemühen.

 

Hat der Schuldner die Wohlverhaltensperiode überstanden, wird die letzte Phase der Privatinsolvenz eingeleitet. Dabei handelt es sich um die Restschuldbefreiung. An diesem Zeitpunkt werden alle ausstehenden Forderungen ungültig. Der Schuldner kann nun wieder in ein neues und schuldenfreies Leben starten.

 

Jedoch kann eine Restschuldbefreiung auch untersagt werden. Das ist der Fall, wenn:

 

  • der Betroffene wegen einer Insolvenzstraftat verurteilt wurde,
  • er seine Auskunft- und Mitwirkungspflichten verletzt hat,
  • er drei Jahre vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder während des Verlaufs unvollständige bzw. falsche Angaben gemacht hat oder
  • er neue Schulden angehäuft hat.

 

Weitere Informationen rund um das Thema „Schulden“ finden Sie unter www.schuldnerberatung.de

 

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

 

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

 

Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. In ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Vereins erhalten diese keine Zuwendungen oder Gewinnanteile aus Mitteln des Vereins.

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