Neustart durch Schuldenschnitt

8. April 2019 | Von | Kategorie: Sonstige Themen

Ein Insolvenzverfahren dient aus Gläubigersicht dazu, das noch vorhandene Vermögen gerecht nach der Höhe der Forderungen zu verteilen. Die Insolvenzquote gibt den Anteil der bezahlten Außenstände an. Sie bleibt oft einstellig, die Gläubiger müssen dann mehr als 90 % ihrer Forderungen abschreiben. Aus Sicht des Schuldners bedeutet das Insolvenzverfahren zwar einen harten Einschnitt, aber es endet auf Antrag mit einer Restschuldbefreiung. Nicht bezahlte Schulden bleiben nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag offen, sondern sie entfallen faktisch, und das ermöglicht einen schuldenfreien Neuanfang.

Keine Abhängigkeit von der Zahlung der Verfahrenskosten

Der Insolvenz-Ratgeber www.finkonzept.com spricht einen Vorteil des aktuellen Insolvenzrechts für kleine Unternehmen und Privatpersonen in der Verbraucherinsolvenz an: Früher waren die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens und damit auch die Restschuldbefreiung davon abhängig, dass zumindest die Kosten des Verfahrens vom Schuldner getragen werden konnten. Großunternehmen konnten sich das in aller Regel noch leisten, andere standen bereits hier vor einer unüberwindlichen Hürde. Mittlerweile kann von natürlichen Personen Kostenstundung nach § 4a der Insolvenzordnung (InsO) beantragt werden. Juristische Personen, also im Wesentlichen Aktiengesellschaften und GmbH, haben diese Möglichkeit nicht. Für sie ist es aber auch nicht wichtig, weil das deutsche Recht eine Restschuldbefreiung juristischer Personen nicht vorsieht. Sie erlöschen mit der Vermögenslosigkeit.

Redliche Schuldner werden ihre Schulden los

Die InsO sieht die Restschuldbefreiung für „redliche Schuldner“ (§ 1 InsO) vor. Bereits der Antrag wird abgelehnt, wenn rechtskräftige Verurteilungen wegen einer Insolvenzstraftat vorliegen, der Schuldner in den letzten drei Jahren vor dem Antrag falsche Angaben zum Beispiel zu seinem Vermögen gemacht hat oder wenn er während des Insolvenzverfahrens Auskunfts- und Mitwirkungspflichten verletzt hat. Gibt das Gericht dem Antrag statt, beginnt eine Abtretungsfrist von normalerweise sechs Jahren, in der pfändbares Einkommen an den Insolvenzverwalter abgetreten werden muss. Außerdem gelten für den Schuldner verschiedene Obliegenheiten. Einen neuen Kredit wird er ohne Sicherheiten nicht bekommen, er dürfte ihn aber auch gar nicht aufnehmen, weil das gegen die Auflagen in der Abtretungsfrist verstoßen würde. Mit Erteilung der Restschuldbefreiung erlöschen die Forderungen zwar formal nicht, sie sind aber nicht mehr zwangsweise durchsetzbar.

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